Quelle: ISBN 3-8055-3616-X - 1983
Bibliographisches Institut Leipzig - Publiziert 1983 in der ehemaligen DDR -
Autoren: Prof. Dr. sc. vet. med. Ekkehard Wiesner, Berlin und
Dozent Dr. med. vet. habil. Siegfried Willer, Berlin
Als Krankheiten genetischen Ursprungs bzw. häufiges Vorkommen bei der Rasse
Leonberger werden erwähnt:
Seite 88/89 Dermatitis
Für den Leonberger besonders die chronische ekzematöse
Dermatitis, erstmals erwähnt 1895/Arnous,
weiter 1922/Müller. Erwähnt wird auch, daß Tiere männl. Geschlechts mehr
betroffen sind als Tiere weibl. Geschlechts.
Seite 98/99 Duraverknöcherung - Pachymeningitis spinalis ossificans,
chronisch ossäre Metaplasie
der Dura mater spinalis
= Langsame progressive Verknöcherung der harten Rückenmarkhaut (Dura mater spinalis), besonders an der Ventralseite der Dura im Hals- und Lendenbereich.
Vorkommen: Fast ausschließlich mittelgroße bis große Hunderassen wie Dt. Doggen, Boxer, Mastiff, Bernhardiner, Neufundländer, Leonberger, Pyrenäenhund, DSH. Es wird erwähnt, daß auch mechanische Faktoren oder altersbedingte Stoffwechselstörungen dafür verantwortlich sein können. Erste Literatur geht zurück bis 1883.
Seite 159 ff. Hüftgelenksdysplasie
Seite 188 ff Kehlkopfverengung, Larynxstenose, Larynxparalyse, Stimmbandlähmung
Bzgl. Genetik ist erwähnt, daß beim Leonberger eine familiäre Häufung festgestellt wurde, ferner, daß die bei größeren Tieren auftretende Form der Kehlkopfverengung als neuromuskuläre Degeneration anzusehen ist. Es wird die Verbreitung der Störung durch ungünstige Zuchtpaarzusammenstellung und Weiternutzung erkrankter Zuchttiere erwähnt
Literatur ab 1935 - 1982 (Sobol, 1982 - Die Entwicklung der Leonberger Zucht in der DDR, Veterinärmed. Dissertation, Berlin 1982).
Die Krankheit wird als unheilbar u. letal beschrieben.
Symptome: kontinuierliche Dyspnoe. In chron. Fällen Lungenveränderungen, sekundär Herzerkrankungen
(Cor pulmonale) - bei großen Rassen bds. auftretende neurogene Degeneration, Leistungsschwund, Atmungsbeschwerden, Atemgeräusche. Zyanose, Unruhe, pumpende Atmung, Erstickungsanfälle und Zusammenbrechen bei Belastung.
Seite 255 ff. Osteochondritis dissecans - OCD
Gelenkknorpel - Abtrennung v. Gelenkknoprel u. subchondralem Knochenmaterial.
Vorkommen: Sporad. u. fam. gehäuft bei schweren, vor allem bei
Doggenartigen aber auch anderen großen u. mittelgroßen Rassen.
Analogien zur Perthes-Krankheit u. M. Osgood-Schlatter der Tuberositas
tibiae.
Am Ellbogen 3 Manifestationen - Ellbogendysplasie- med. Humeruscondylus - Proc.
Coronoideus u. isol. Proc. Anconaeus.
Lahmheit zunächst nur nach intensiver Bewegung auslösbar. Später evtl.
Arthritis, Muskelathropie.
Genetik: Es besteht eine fam. Disposition auf polygener Grundlage.
Basisdefekt unbekannt.
Bei größeren Rassen soll die mediale Seite länger der Wirkung ungünstiger
Umstände (Traumen) ausgesetzt sein; daher wird
einer traumat. Bedingten transversalen Absprengungsfraktur am Gelenkkopf eine
primäre Bedeutung beigemessen.
Andere Wissenschaftler nahmen Ca-, P- u. Vit.-D-Stoffwechselstörungen als
entscheid. Einfluß an. Auch Überernährung / Hyperkalzitonie, nutritiver
Hyperparathyreoidismus in Komb. mit Ca-Mangel wurde diskutiert.
Literatur ab 1960 - 1982
Seite 279 Polydaktylie = Vielfingrigkeit, Hyperdaktylie
Vorkommen: P. tritt häufig u. regelmäßig an der med. Seite des Hinterlaufs in Höhe des 2. Metatarsalknochens als sogen. "Wolfskralle" in Erscheinung. Besonders betroffen sind größere Hunderassen wie Bernhardiner, Neufundländer, Leonberger etc. etc. - Literatur ab 1927 -
Seite 332 Wolfskralle
Siehe oben - sowie:
Im älteren Schrifttum wird vermerkt, daß die einfache und die doppelte Wolfskralle bei fast allen Hunderassen anzutreffen seien (Strebel 1905). Heute hat man jedoch bei großen u. mittelgroßen Rassen bestimme Häufungen zu verzeichnen. Betroffen sind vor allem Doggenartige, z.B. Mastiffs, Bernhardiner, Neufundländer u. Leonberger.
Eigene Anmerkungen:
ACHTUNG - Der berühmte Bernhardiner Barry - 1800 - 1814
!!!! -, der durch die Rettung zahlreicher Menschenleben zu Ruhm kam und im
Berner Naturhist. Museum ausgestellt ist, zeigt beiderseits Wolfskrallen.
Dies wurde wohl später durch Inzucht im Bestand des Hospizes auf dem St.
Bernhard herausgezüchtet.
Wenn Bernhardiner Barry - sicherlich viel leichtfüssiger und weniger schwergewichtig, vielleicht gesünder ??? als die heutigen "Barry's" mit beiderseitigen Wolfsklauen durch den Schnee stapfen und Menschenleben retten konnte, dann darf man, meine ich, die Wolfskralle ruhig vernachlässigen.
Alle Aufmerksamkeit möchte ich auf die Lebenszeit 1800 - 1814 richten. Es gab kein Fertigfutter, man hat auch nicht die zahlreichen Zusatzfuttermittel gekannt, vielleicht gab es sogar eher "knappe Kost".
Beeindruckend für mich die Leistungsfähigkeit und die offensichtliche Widerstands-
Fähigkeit gegen Krankheiten und damit lange Lebenserwartung, die dieser Hund hatte
- ohne Fertigfuttermittel, ohne moderne Medizin, wahrscheinlich "pur natur" !!!
Zwei der aufgezeigten Krankheiten geben uns besonders zu denken, diese sind
Duraverknöcherung sowie Larynxstenose/-paralyse !!!!
und die Larynxparalyse ist eine Begleiterscheinung der bei mehreren US-Leonbergern festgestellten neuro-muskulären Erkrankung (peripherale Neuropathie), die sicherlich mit dem peripheren Nervensystem zu tun hat.
Es sind einige Hunde bereits in jugendlichem Alter (6 Mon. - 2 Jahre) verstorben, andere sind im Alter von ca. 2,5 J. erkrankt - einer ist im Alter von etwa 5 Jahren verstorben, nachdem es zuerst zu einer Hemiplegie (vollst. Lähmung einer Körperhälfte) und im Schlußstadium zu einer Tetraplegie (vollst. Lähmung aller vier Extremitäten) kam.
Der betreffende Hund nahm Teil an einer Universitätsstudie; im August 1999
wurde darüber noch berichtet. Der Hund ist irgendwann im Jahr 1999 verstorben.
Ein weiterer Hund war im Frühjahr 1999 (ca. 2 Jahre alt) noch gesund, zeigte
keine Auffälligkeiten, später diverse Auffälligkeiten (unsicherer,
torkelnder, abnormer Gang), die Erkrankung wurde bei diesem Hund inzwischen
sicher diagnostiziert (Aug. 99). Bekannt sind auch Probleme mit der Atmung =
erschwertes, keuchend-pumpendes Atmen, vor allem im Sommer, im Winter
Besserung. Dieser Hund wird im Frühjahr 2000 3 Jahre alt; die Besitzerin weiß, daß diese Krankheit unheilbar ist, es ist also eine Frage der Zeit, wann dieser
Hund in ein Stadium kommt, wo die beh. Tierärzte zur Euthanasie raten.
Wir wollen nicht die Rasse "krankreden", wie gerne denen unterstellt wird, die auch die "Schattenseiten" ansprechen, - aber beschönigen hilft auch nichts. Diese 14 Jahre Lebenserwartung, die bereits vor fast 200 Jahren durch einen Hund einer der Rassen, aus denen unser Leonberger hervorgegangen ist, erreicht wurde, diese streben wir an; das würde uns sehr gut gefallen.
Aber - da hilft kein Wünschen, kein Beten aber auch kein Ignorieren von Krankheiten - aber vielleicht hilft es, wenn alle zusammen
Hundefreunde, Hundehalter, Hundezüchter, Tierärzte, Genetiker
jeder auf seine Art und Weise, etwas dazu beitragen, diesem Ziel einen Schritt näherzukommen.
Dieser Auszug aus dem Buch wurde zusammengestellt von E. Steffen.