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Die „genetische“ Situation beim Leonberger und wie man hier eventuell gegensteuern könnte - Inzucht- und Ahnenverlust-Koeffizient - unique ancestors - Inzucht – Engzucht - Paarungen von Hunden mit niedrigem Verwandtschaftskoeffizienten
Wie wahrscheinlich die Mehrzahl der Rassehunde, so ist auch der Leonberger auf einige wenige (evtl. stark verwandte) Ausgangstiere zurückzuführen. Historisch bedingte Engpässe (zwei Weltkriege, weitere Verluste von Zuchttieren) haben zur weiteren Verringerung der Zuchtbasis beigetragen. Auch dieses Schicksal teilen sicherlich andere Hunderassen.
Werden unsere
Rassehunde immer kränker? Ja!
Oft genug werden diese Fragen gestellt. Die Antwort
ist „ja“ – wir brauchen unsere Rassehunde aber wir brauchen eine andere
Gewichtung in der Rassehundezucht, um den vielfältigen Problemen
(erhöhte Krankheitsanfälligkeit, geringere Vitalität, verkürzte
Lebensdauer) entgegenzuwirken. Aber nicht Mischlinge sind die Lösung, sondern der heterozygote (genetisch vielseitige) Rassehund. Der Mischling ist kein Ausweg, heute schon gar nicht.“
Nur die
Zusammenarbeit von Züchtern, Hundehaltern, den diversen Hundevereinen
und Dachverbänden kann hier Aber jeder Züchter und Halter eines Deckrüden kann für sich selbst damit beginnen, nachzudenken, was wirklich wichtig werden wird für die „Zukunft“ der Rasse – und auch dann, wenn der Rassehundeverein dies nicht vorschreibt, so wird sich doch nirgendwo eine Regel finden, die es verbietet „mehr zu tun als vorgeschrieben“ – der Erfolg oder Misserfolg solcher Programme wird letztendlich davon bestimmt, wie viele Züchter sich neu orientieren, und neu orientieren heißt hier „hin zum so wenig als möglich ingezüchteten Rassehund“.
"Daneben wären strenge Fitnesstests unbedingt
erforderlich!!"
Überhaupt
nicht ingezüchtet
– geht nicht – diese Zeiten sind vorbei; ob es sie jemals gegeben
hätte, ist fraglich. Ich denke nicht, denn
dafür hatten wir niemals genügend „nicht verwandte“ Ausgangstiere.
Eine Erklärung über Datenerfassungen und
online-Datenbanken – woraus IK/COI und Ahnenverlust errechnet werden -
in Kurzversion: Beispiel - COR = coefficient of relationship / Verwandtschaftsgrad
1. Wenn nun derselbe Ahne 2 x in Generation 4 = 2 x 6.25 % und 2 x in Gen. 5 = 2 x 3.125 % vorhanden ist, dann reduziert sich die genetische Vielfalt und gleichzeitig steigt der prozentuale mögliche genetische Einfluss des / der mehrfache vorhandenen Ahnen an. Dadurch kann die Situation gegeben sein, dass ein Ahne plötzlich einen prozentual möglichen genetischen Einfluss wie ein Ahne in Generation 2 oder 3 hat, obwohl dieser Ahne in Generation 4 oder 5 mehrfach zu finden ist.
Die
Datenbanken hatten bzw. haben alle denselben Zweck: sie sollten einem
Züchter ermöglichen, einen passenden Zuchtpartner für die Hündin zu
finden und selbst zu überprüfen, inwieweit die Tiere miteinander
verwandt sind.
Ich werde für die verständlichen und korrekten Erklärungen einiger Begriffe, wie auch zur Unterstützung dessen, was ich hier äußere, einige Wissenschaftler zitieren; (Quelle jeweils beim Zitat) eine Auflistung der verwendeten Literaturfinden Sie am Ende dieses Artikels.
Der Inzuchtkoeffizient (IK) gibt den Verwandtschaftsgrad
der Eltern eines Tieres miteinander an
(WACHTEL,
Hundezucht 2000, S. 30/31). Der IK zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass
zwei Allele eines Gens bei einem Hund von der Abstammung her identisch
sind, d.h. sie stammen aus der Verdoppelung eines Allels in irgend einem
Ahnen; man nennt sie in diesem Falle autozygot (WACHTEL, Hundezucht
2000, S. 80/81).
Der Ahnenverlust-Koeffizient (AVK) wird berechnet
durch die Division der tatsächlichen Anzahl der Ahnen des Hundes durch
die Zahl der maximal möglichen Anzahl der Ahnen des Hundes. Der AVK ist
der Quotient aus der Anzahl tatsächlich vorhandener und der Gesamtzahl
der möglichen Ahnen (KRAUTWURST, prakt. Genetik f. Hundezüchter, S.
199).
Alle Rassehunde sind einstmals durch Inzucht /
Linienzucht entstanden, denn nur so konnte das einheitliche Exterieur
zustande kommen. Dies geschah, weil durch
diese Engzucht ein hoher Grad an Homozygotie (Reinerbigkeit, gleiche
Allele) erreicht wurde. Diese Reinerbigkeit bezieht sich natürlich
auf die guten, die erwünschten, wie auch auf die unerwünschten
Eigenschaften und somit wurde auch (teilweise) eine hohe Anzahl von
Defektgenen innerhalb der Rasse verbreitet. Wenn der Züchter genetische Basiskenntnisse hat (und darüber sollte ein Züchter verfügen), dann ist auch bekannt, welche Eigenschaften gering-, mittel- oder hoch erblich sind und wenn außerdem Informationen über die Ahnen beider Zuchttiere vorliegen, dann kann der Züchter mit einem sogen. „like-to-like-breeding“, also ähnlich aussehende Zuchtpartner, die wiederum in den Ahnenreihen ähnliche aussehende Hunde aufweisen, genauso erfolgreich sein im Bezug auf Exterieur – und dies ist dann auch möglich, wenn die beiden Zuchtpartner zumindest über die ersten 5 Generationen keine gemeinsamen Ahnen aufweisen.
Da es ja
meist um Exterieurmerkmale geht (besonderer Farbton, Körpergröße,
Brusttiefe, Knochenstärke usw.) und diese anatomischen Merkmale mit
30 – 65 % (WILLIS, Genetik der Hundezucht, S. 37) zu den mittel-
bis hoch-erblichen gehören,
Für die Zuchtpraxis würde das bedeuten „mehr Gewichtung auf die gesundheitlichen Aspekte“ (Forderung nach mehr Gesundheitstests) und ggf. Abstriche an der „bloßen Schönheit“; diese Anforderungen sollten dann auch bei den Nachzuchtkontrollen umgesetzt werden, also nicht nur Prüfung wie „homogen“ ein Wurf ist, sondern auch, wie „gesund und vital“ ein Wurf ist !
„Die Heterozygotie durch Paarung nicht verwandter Partner
ist aber nicht nur deshalb erwünscht, damit Defektgene nicht zu
Auswirkung kommen. Sie ist auch ein Vorteil an sich, da Tiere mit hoher
Heterozygotie im Durchschnitt eben weit lebenskräftiger,
widerstandsfähiger, vitaler und leistungsfähiger sind als ingezüchtete
Tiere…….“
(Zitat aus: WACHTEL,
Hundezucht 2000, S.28). Auch Eberhard Trumler hat in seinen Büchern
mehrfach darauf hingewiesen (Biotonus).
Jeder Rassehund, ja überhaupt jedes
Individuum, ist Träger von Defektgenen;
jeder Hund ist Träger von 4 – 5 Defektgenen
Für die Rasse Leonberger steht nach fast
einem Jahrzehnt Datensammlung, Studium von Ahnentafeln und Blutlinien
sowie Einbindung von Wissenschaftlern (Genetikern,
Biologen, Veterinärmedizinern) aus Europa und den
USA seit Juli 2010 der erste genetische Test zur Verfügung;
getestet werden kann auf eine (von mehreren) Variante der
Leonberger Polyneuropathie.
Mittels Durchführung dieses Bluttests konnte bereits der
Status vieler Zuchttiere ermittelt werden, die
genetische Gesamtsituation beim Leonberger lässt es allerdings nicht zu,
auf Träger zu verzichten; Trägerhunde dürfen vorerst noch mit
Hunden, die frei sind von diesem Defektgen, verpaart werden. Nach Rat
der Wissenschaftler sollen dann sukzessive die Trägerhunde aus dem
Zuchtpool herausgenommen und durch „freie“ Nachkommen ersetzt werden.
Gleichermaßen wird dann vorgegangen werden, wenn ein zweiter genetischer Test für eine weitere Variante dieser Krankheit verfügbar ist. Bis dahin müssen sich Züchter damit zufrieden geben, gute phänotypische Resultate (HD-ED-Röntgenergebnisse, Herzuntersuchungen, Schilddrüsenprofile, Augenuntersuchungen) für die Zuchttiere zu erreichen und diese dann wiederum mit anderen – möglichst wenig verwandten Tieren mit ebensolchen Ergebnissen verpaaren. „Züchten heißt Denken in Generationen“ (Zitat aus: KRAUTWURST, prakt. Genetik f. Hundezüchter, S. 11) – und erreichte Titel sind nichts anderes, als phänotypische Prädikate für Schönheit. Nichts gegen schöne Hunde, nein – auch nichts gegen „Champions und Titelträger“ und gegen das Ausstellen; ich fröne selbst gerne diesem Hobby, denn ich bin stolz auf meine „schönen Vierbeiner“ – aber Zucht ist weit mehr als zwei schöne Hunde zu verpaaren.
Deckrüdenbegrenzung – das wäre eine Möglichkeit, den IK „einzufrieren“
– was aber leider geschieht, ist das Gegenteil. Es decken einige
wenige Rüden alle Zuchthündinnen, damit erhöhen wir den
Gesamt-Inzuchtkoeffizienten der Rasse und mindern die genetische
Vielfalt, denn es entstehen ja viele „Halbgeschwister“ väterlicherseits.
Weniger strikt bezüglich Exterieur – was nicht gleichbedeutend mit „hässlichen“ Hunden ist, wie so oft der Vorwurf lautet – würde zu einer größere Auswahl an möglichen Zuchttieren führen.
Strenger bezüglich der
Anforderungen an Gesundheit
(Untersuchungen auf HD – ED – evtl. OCD, Herz, Schilddrüse, Augen
plus Gentest, evtl. Muskelprofile und Blutbild 1 x pro Jahr)
würde zu einer Zucht mit
„gesünderen Tieren“ führen und damit hoffentlich
Minimierung bzw. „Einfrieren“ des Inzuchtkoeffizienten
durch Vorab-Prüfung einer geplanten Verpaarung bezüglich COI und AVK
Selektion – nicht ausschließlich auf Exterieurmerkmale
Rotationszucht (WACHTEL, Hundezucht 2000, S.178) und anfänglich zur Zucht nur solche Tiere heranziehen, die in drei Generationen keine gemeinsamen Ahnen haben, gleichzeitig Limits für die Wurfzahl von Rüden – R.G. Beilharz – Univ. Melbourne, zitiert in ((WACHTEL, Hundezucht 2000, S.178)
Last but not least – hot stuff, hot topic – Verwendung von
Gefriersperma. So wie es jetzt aussieht, ist ja jede heutige Hundegeneration gesündere als die nächste aber kränker als die vorhergehende……..“
Und
(WACHTEL, Hundezucht 2000, S. 57) „….Rüden oder deren Samen aus Gebieten
importieren, deren Zucht bereits länger verselbständigt und damit
blutsfremder geworden ist“
Desgleichen sollte man verstärkt auf ältere Deckrüden,
die nicht übermäßig viel produziert haben und die wiederum überwiegend
guten Nachwuchs mit verschiedenen Hündinnen erbrachten, zurückgreifen –
und wenn hier ein vitaler Desgleichen sollten auch Deckrüdenhalter, die ihren Rüden nicht übermäßig einsetzen, evtl. daran denken, von ihrem gesunden und vitalen Vertreter der Rasse Sperma konservieren zu lassen – für die Zukunft. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um einen Hund handelt, der viele Gesundheitstest bestanden hat aber vielleicht nicht dem „Zeitgeschmack“ entspricht (zu dünn, keine Titel, zu dunkel, zu hell, Fell zu kurz).
Allerletzte Notmaßnahme zur Rettung einer Rasse wäre das „Einkreuzen einer anderen ähnlichen Rasse“. Es wurden in der Geschichte des Leonbergers auch solche Einkreuzungen vorgenommen; die meisten sind schriftlich dokumentiert, einiges ist „hearsay“ (Hörensagen).
(WACHTEL, Hundezucht 2000, S.214 ff und andere Autoren)
„weiters zitiert H. Spengler (1994) die Einkreuzung einer
Neufundländerin mit einem Leonberger, zwei der Enkelinnen wurden
Stammeltern der holländischen Zucht … Ein beliebtes Ratespiel (nicht nur von mir) ist auch „was steckt alles im Leonberger drin“ – die oben erwähnte Einkreuzung Neufundländer ist gesichert und wird auch in Leonberger Publikationen (und dem Zuchtbuch) erwähnt; anderes möchte ich hier nicht erwähnen, da es hierfür nur „mündliche Quellen“ gibt – es ist ja auch egal. Diese Einkreuzungen haben dem Leonberger sicherlich nicht geschadet aber zur Erhaltung der noch verbliebenen genetischen Vielfalt sollten doch zuerst die anderen erwähnten (Sofort-) Maßnahmen durchgeführt werden, denn eine Einkreuzung einer anderen Rasse erfordert ein gezieltes Zusammenarbeiten aller Rassehunde-Clubs, aller Kennelclubs plus ggf. Anträge bei der FCI und vieles andere mehr.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Tabelle – IK und AVK – tatsächliche Anzahl unverwandter Ahnen, Gegenüberstellung der maximal möglichen unverwandten Ahnen
Tabelle – IK und AVK – tatsächliche Anzahl unverwandter Ahnen, Gegenüberstellung der maximal möglichen unverwandten Ahnen
Die Leonberger 7 – 9 wurden beliebig aus den 112.000
Datensätzen der Datenbank ausgewählt!
Bei den von 1 – 6 gelisteten Leonbergern handelt es sich
ebenfalls um „real existierende, wovon sich 4 fortgepflanzt haben“;
Die Anzahl der Leonberger Zuchttiere in Deutschland (VDH-FCI) beträgt 326 Leonberger; davon 113 Rüden und 213 Hündinnen. Die Rüden werden leider nicht alle gleichmäßig eingesetzt; auch sind die Rüden wie Hündinnen teilweise miteinander verwandt, also z.B. Brüder, Halbbrüder, Schwestern, Halbschwester bzw. Söhne und Töchter sind gleichzeitig in der Zucht. Von den Rüden werden – dies ist eine Schätzung! – etwa 40 % des Öfteren eingesetzt und von diesen 40 % wohl wiederum etwa die Hälfte sehr oft. Es wird auch vermehrt auf „Auslandsrüden“ zurückgegriffen, was als positiv anzusehen ist, so nicht z.B. ein ausländischer Rüde eine Hündin, die aus dem Zuchtpool desselben Landes stammt, deckt, denn hier ist dann die Wahrscheinlichkeit stärkerer Verwandtschaft doch recht hoch.
Die effektive Populationsgröße ist sehr gering
– die Berechnungsformel ist über Wikipedia – auch in deutscher Sprache –
zu finden. Maximal 4 x die Anzahl der Rüden x Anzahl der Hündinnen –
geteilt durch die Gesamtzahl der Zuchttiere!
is counted by a formula 4 x available males x available
females – parted thru the amount of all reproductors
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die Züchter auf die Hilfe der potentiellen Welpenkäufer und späteren Besitzer der Tiere angewiesen sind; diese Art von „Feedback“ ist notwendig zum Wohle des Hundes (falls doch mal etwas „schiefgeht“ trotz aller guten Absichten)
– Aber all dies sollte in einer Art offenem und
fairem Informationsaustausch und ebensolchem Umgang miteinander,
geschehen und die erste Sorge sollte immer das Wohl des betroffenen
Hundes sein
Es sollten die Züchter Unterstützung finden, die
versuchen, auf die niedrig-erblichen aber doch so wichtigen Merkmale
Ich möchte hier abschließen mit einem Zitat aus (WACHTEL, Hundezucht 2000,S. 200)
Literatur: Dr. F. Krautwurst - Praktische Genetik für Hundezüchter – Kynos-Verlag 2002
Dr.Hellmuth Wachtel – Hundezucht
2000 – Gollwitzer Verlag 1997/98 Malcolm.B. Willis – Genetik der Hundezucht – Kynos-Verlag 1992
Dr. George A. Padgett – Control of Canine Genetic Diseases – Howell Book
House
Eric H.W.Aldington, Friedern Stockmann http://www.yakzucht.ch/downloads/genetischer_flaschenhals.pdf http://www.tg-tierzucht.de/hzucht/publikation/leben_tod_berner.pdf
http://www.vetsuisse.unibe.ch/genetic/content/service/dog/index_eng.html
Strategien
zur Bekämpfung von Erbfehlern in der Hundezucht http://www.blendivet.de/PDFs/AI_GI_08.pdf
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