Die „genetische“ Situation beim Leonberger und wie man hier eventuell gegensteuern könnte

-          Inzucht- und Ahnenverlust-Koeffizient

-           unique ancestors

-          Inzucht – Engzucht

-          Paarungen von Hunden mit niedrigem Verwandtschaftskoeffizienten

 

Wie wahrscheinlich die Mehrzahl der Rassehunde, so ist auch der Leonberger auf einige wenige (evtl. stark verwandte) Ausgangstiere zurückzuführen.

Historisch bedingte Engpässe (zwei Weltkriege, weitere Verluste von Zuchttieren) haben zur weiteren Verringerung der Zuchtbasis beigetragen. Auch dieses Schicksal teilen sicherlich andere Hunderassen.

 

Werden unsere Rassehunde immer kränker?  Ja!
Sind unsere Rassehunde schon zu sehr „verzüchtet“? Manche schon (In-, Qualzucht)

Brauchen wir überhaupt Rassehunde?

Oft genug werden diese Fragen gestellt. Die Antwort ist „ja“ – wir brauchen unsere Rassehunde aber wir brauchen eine andere Gewichtung in der Rassehundezucht, um den vielfältigen Problemen (erhöhte Krankheitsanfälligkeit, geringere Vitalität, verkürzte Lebensdauer) entgegenzuwirken.
Hierzu auch Kommentar von Dr. H. Wachtel
http://www.petwatch.at/index.php?option=content&task=view&id=38

Aber nicht Mischlinge sind die Lösung, sondern der heterozygote (genetisch vielseitige) Rassehund. Der Mischling ist kein Ausweg, heute schon gar nicht.“

Nur die Zusammenarbeit von Züchtern, Hundehaltern, den diversen Hundevereinen und Dachverbänden kann hier
– bezogen auf die gesamte Rasse – auf Dauer zum Erfolg führen.

Aber jeder Züchter und Halter eines Deckrüden kann für sich selbst damit beginnen, nachzudenken, was wirklich wichtig werden wird für die „Zukunft“ der Rasse – und auch dann, wenn der Rassehundeverein dies nicht vorschreibt, so wird sich doch nirgendwo eine Regel finden, die es verbietet „mehr zu tun als vorgeschrieben“ – der Erfolg oder Misserfolg solcher Programme wird letztendlich davon bestimmt, wie viele Züchter sich neu orientieren, und neu orientieren heißt hier „hin zum so wenig als möglich ingezüchteten Rassehund“.

"Daneben wären strenge Fitnesstests unbedingt erforderlich!!"
(Anmerkung von Herrn Dr. Wachtel - der ich voll und ganz zustimme! )

Überhaupt nicht ingezüchtet – geht nicht – diese Zeiten sind vorbei; ob es sie jemals gegeben hätte, ist fraglich. Ich denke nicht, denn dafür hatten wir niemals genügend „nicht verwandte“ Ausgangstiere.

Aber die „Uhr anhalten“, den Inzuchtkoeffiezienten (IK oder COI) quasi „einzufrieren – ein Ansteigen zu verhindern“,
das wäre möglich
und darüber möchte ich in diesem Artikel sprechen.

 

Eine Erklärung über Datenerfassungen und online-Datenbanken – woraus IK/COI und Ahnenverlust errechnet werden - in Kurzversion:
im Jahre 1995 wurde von einigen Leonberger Freunden mit Datenerfassung begonnen, später haben sich (zunächst unabhängig voneinander) andere Leonberger Freunde ebenfalls damit befasst; in 2005 wurde die erste online-Datenbank bei einem Stand von über 66.000 Datensätzen mit anderen „verbunden“; heute existieren 3 online-Datenbanken; 2 davon mit aktualisierten Daten – und all diese Datenerfassungsprogramm, insbesondere das seit 2005 genutzte, machen es möglich, den IK (Inzucht-koeffizienten – Wiedergabe der Inzucht für eine bestimmte Anzahl von Generationen) und AVK (Ahnenverlust-Koeffizienten)
zu berechnen, desgleichen kann die Anzahl der „möglichen Ahnen“ der Anzahl der tatsächlichen Ahnen gegenübergestellt werden.

Beispiel - COR = coefficient of relationship / Verwandtschaftsgrad

1. Elterngeneration                  50 %
2. Großeltern 25 %
3. Ur-Großeltern                       12.5 %
4. Ur-Ur-Großeltern 6.25 %
5. Ur-Ur-Ur-Großeltern 3.125 %

1.                

Wenn nun derselbe Ahne 2 x in Generation 4 = 2 x 6.25 % und 2 x in Gen. 5 = 2 x 3.125 % vorhanden ist, dann reduziert sich die genetische Vielfalt und gleichzeitig steigt der prozentuale mögliche genetische Einfluss des / der mehrfache vorhandenen Ahnen an.

Dadurch kann die Situation gegeben sein, dass ein Ahne plötzlich einen prozentual möglichen genetischen Einfluss wie ein Ahne in Generation 2 oder 3 hat, obwohl dieser Ahne in Generation 4 oder 5 mehrfach zu finden ist.

Die Datenbanken hatten bzw. haben alle denselben Zweck: sie sollten einem Züchter ermöglichen, einen passenden Zuchtpartner für die Hündin zu finden und selbst zu überprüfen, inwieweit die Tiere miteinander verwandt sind.

Da im Laufe der Zeit in den beiden jüngeren Datenbanken auch Gesundheitsergebnisse (HD – ED – Augenuntersuchungen usw.) online dargestellt werden, können diese Datenbanken quasi als „online-Information für geplante Verpaarungen“ genutzt werden.
Das war der ursprüngliche Sinn und Zweck und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ich werde für die verständlichen und korrekten Erklärungen einiger Begriffe, wie auch zur Unterstützung dessen, was ich hier äußere, einige Wissenschaftler zitieren; (Quelle jeweils beim Zitat) eine Auflistung der verwendeten Literaturfinden Sie am Ende dieses Artikels.

Der Inzuchtkoeffizient (IK) gibt den Verwandtschaftsgrad der Eltern eines Tieres miteinander an (WACHTEL, Hundezucht 2000, S. 30/31). Der IK zeigt die Wahrscheinlichkeit an, dass zwei Allele eines Gens bei einem Hund von der Abstammung her identisch sind, d.h. sie stammen aus der Verdoppelung eines Allels in irgend einem Ahnen; man nennt sie in diesem Falle autozygot (WACHTEL, Hundezucht 2000, S. 80/81).
IK – Mathematischer Begriff zur Berechnung des Inzuchtgrades eines Tieres bzw. einer Population (KRAUTWURST, prakt. Genetik f. Hundezüchter,S. 202).

 

Der Ahnenverlust-Koeffizient (AVK) wird berechnet durch die Division der tatsächlichen Anzahl der Ahnen des Hundes durch die Zahl der maximal möglichen Anzahl der Ahnen des Hundes. Der AVK ist der Quotient aus der Anzahl tatsächlich vorhandener und der Gesamtzahl der möglichen Ahnen (KRAUTWURST, prakt. Genetik f. Hundezüchter, S. 199).
Sh. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Ahnenverlust

 

Alle Rassehunde sind einstmals durch Inzucht / Linienzucht entstanden, denn nur so konnte das einheitliche Exterieur zustande kommen. Dies geschah, weil durch diese Engzucht ein hoher Grad an Homozygotie (Reinerbigkeit, gleiche Allele) erreicht wurde. Diese Reinerbigkeit bezieht sich natürlich auf die guten, die erwünschten, wie auch auf die unerwünschten Eigenschaften und somit wurde auch (teilweise) eine hohe Anzahl von Defektgenen innerhalb der Rasse verbreitet.

„Voraussetzung für eine niedrige Defektgenrate in einer Population ist es, dass die Sexualpartner nicht eng verwandt sind – für einen optimalen Nachwuchs ist es meist am besten, wenn sie überhaupt nicht verwandt wären“
(Zitat aus: WACHTEL, Hundezucht 2000, S.20/21) und „die Zunahme des Inzuchtkoeffizienten sollte keinesfalls höher sein als 1 % und besser unter einem halben Prozent pro Generation liegen“ (WACHTEL, Hundezucht 2000, S.71).

Da Exterieur und die anderen rassetypischen Eigenschaften aber heute in jeder Rasse gefestigt sind, besteht kein Grund mehr zu Linienzucht / Inzucht.
Anmerkung von Dr. Wachtel:" Es können allerdings manchmal Abweichungen auftreten, doch solche Tiere sind eben nach Möglichkeit auszuscheiden! " (=nicht zur Zucht zuzulassen).

Wenn der Züchter genetische Basiskenntnisse hat (und darüber sollte ein Züchter verfügen), dann ist auch bekannt, welche Eigenschaften gering-, mittel- oder hoch erblich sind und wenn außerdem Informationen über die Ahnen beider Zuchttiere vorliegen, dann kann der Züchter mit einem sogen. „like-to-like-breeding“, also ähnlich aussehende Zuchtpartner, die wiederum in den Ahnenreihen ähnliche aussehende Hunde aufweisen, genauso erfolgreich sein im Bezug auf Exterieur – und dies ist dann auch möglich, wenn die beiden Zuchtpartner zumindest über die ersten 5 Generationen keine gemeinsamen Ahnen aufweisen.

Da es ja meist um Exterieurmerkmale geht (besonderer Farbton, Körpergröße, Brusttiefe, Knochenstärke usw.) und diese anatomischen Merkmale mit 30 – 65 % (WILLIS, Genetik der Hundezucht, S. 37) zu den mittel- bis hoch-erblichen gehören,
kann man hier gute Resultate – auch ohne Linienzucht – erreichen.


Leider ist es so, dass die Merkmale, die wir anstreben (Vitalität, Langlebigkeit, Zähigkeit, wie auch immer man es nennen möchte), zu den niedrig-erblichen gehören, 10 – 15 % - und deshalb sollten diese Merkmale bei beiden Elterntieren und unter den Ahnen beider Elterntiere vorhanden sein, damit wir die Chancen, dies durch Zuchtauswahl zu erreichen, vergrößern können.

Diese Merkmale sind mit Heterozygotie, also Mischerbigkeit, eng verknüpft; aber eben nicht ausschließlich – daher werden (strenge) Fitnesstests unerlässlich sein!! (kursiv Anmerkung von Dr. Wachtel).

Für die Zuchtpraxis würde das bedeuten „mehr Gewichtung auf die gesundheitlichen Aspekte“ (Forderung nach mehr Gesundheitstests) und ggf. Abstriche an der „bloßen Schönheit“; diese Anforderungen sollten dann auch bei den Nachzuchtkontrollen umgesetzt werden, also nicht nur Prüfung wie „homogen“ ein Wurf ist, sondern auch, wie „gesund und vital“ ein Wurf ist !

„Die Heterozygotie durch Paarung nicht verwandter Partner ist aber nicht nur deshalb erwünscht, damit Defektgene nicht zu Auswirkung kommen. Sie ist auch ein Vorteil an sich, da Tiere mit hoher Heterozygotie im Durchschnitt eben weit lebenskräftiger, widerstandsfähiger, vitaler und leistungsfähiger sind als ingezüchtete Tiere…….“ (Zitat aus: WACHTEL, Hundezucht 2000, S.28). Auch Eberhard Trumler hat in seinen Büchern mehrfach darauf hingewiesen (Biotonus).
Anmerkung Dr. Wachtel: Siehe auch zuvor (Fitnesstests!)
(bei den schwedischen, wegen Dezimierung hoch ingezüchteten Wölfen konnten sich nur solche  vermehren, die über viele „gute“ Allel verfügten!)

 

Jeder Rassehund, ja überhaupt jedes Individuum, ist Träger von Defektgenen; jeder Hund ist Träger von 4 – 5 Defektgenen
(G.A. Padgett, Control of Genetic Diseases, pg 11). Ein Defektgen ist eine Erbanlage (Mutation), die eine Erbkrankheit auslöst.
Das Risiko, dass zwei gleiche Defektgene vorhanden sind, steigt an, um so mehr die Zuchttiere miteinander verwandt sind; das Risiko sinkt, je weniger sie miteinander verwandt sind. Ein Null-Risiko gibt es nicht, genau so wenig, wie es eine 100%-erbliche Eigenschaft gibt. Wo man über genetische Testverfahren verfügt, sollte natürlich getestet werden; ein Problem besteht nur darin, dass dieselbe Krankheit bei verschiedenen Hunderassen einen anderen Erbgang haben kann und demzufolge nicht jeder Test für jede Rasse Anwendung finden kann.

Für die Rasse Leonberger steht nach fast einem Jahrzehnt Datensammlung, Studium von Ahnentafeln und Blutlinien sowie Einbindung von Wissenschaftlern (Genetikern, Biologen, Veterinärmedizinern) aus Europa und den USA seit Juli 2010 der erste genetische Test zur Verfügung; getestet werden kann auf eine (von mehreren) Variante der Leonberger Polyneuropathie.
An der Entwicklung eines weiteren Tests für eine andere Variante dieser Erkrankung wird mit Hochdruck gearbeitet, wiederum in Europa und den USA. (sh. Links)


 

Mittels Durchführung dieses Bluttests konnte bereits der Status vieler Zuchttiere ermittelt werden, die genetische Gesamtsituation beim Leonberger lässt es allerdings nicht zu, auf Träger zu verzichten; Trägerhunde dürfen vorerst noch mit Hunden, die frei sind von diesem Defektgen, verpaart werden. Nach Rat der Wissenschaftler sollen dann sukzessive die Trägerhunde aus dem Zuchtpool herausgenommen und durch „freie“ Nachkommen ersetzt werden.
So soll es lt. Auskunft der Wissenschaftler dann möglich sein, in ca. 3 – 4 Generationen diese Variante der Erbkrankheit zu kontrollieren.

Gleichermaßen wird dann vorgegangen werden, wenn ein zweiter genetischer Test für eine weitere Variante dieser Krankheit verfügbar ist.

Bis dahin müssen sich Züchter damit zufrieden geben, gute phänotypische Resultate (HD-ED-Röntgenergebnisse, Herzuntersuchungen, Schilddrüsenprofile, Augenuntersuchungen) für die Zuchttiere zu erreichen und diese dann wiederum mit anderen – möglichst wenig verwandten Tieren mit ebensolchen Ergebnissen verpaaren.

„Züchten heißt Denken in Generationen“ (Zitat aus: KRAUTWURST, prakt. Genetik f. Hundezüchter, S. 11) – und erreichte Titel sind nichts anderes, als phänotypische Prädikate für Schönheit. Nichts gegen schöne Hunde, nein – auch nichts gegen „Champions und Titelträger“ und gegen das Ausstellen; ich fröne selbst gerne diesem Hobby, denn ich bin stolz auf meine „schönen Vierbeiner“ – aber Zucht ist weit mehr als zwei schöne Hunde zu verpaaren.

Deckrüdenbegrenzung – das wäre eine Möglichkeit, den IK „einzufrieren“ – was aber leider geschieht, ist das Gegenteil. Es decken einige wenige Rüden alle Zuchthündinnen, damit erhöhen wir den Gesamt-Inzuchtkoeffizienten der Rasse und mindern die genetische Vielfalt, denn es entstehen ja viele „Halbgeschwister“ väterlicherseits.
(WACHTEL, Hundezucht 2000, S.241)

Weniger strikt bezüglich Exterieur – was nicht gleichbedeutend mit „hässlichen“ Hunden ist, wie so oft der Vorwurf lautet – würde zu einer größere Auswahl an möglichen Zuchttieren führen.

Strenger bezüglich der Anforderungen an Gesundheit (Untersuchungen auf HD – ED – evtl. OCD, Herz, Schilddrüse, Augen plus Gentest, evtl. Muskelprofile und Blutbild 1 x pro Jahr) würde zu einer Zucht mit „gesünderen Tieren“ führen und damit hoffentlich
zu insgesamt gesünderem, vitalerem Nachwuchs.

Minimierung bzw. „Einfrieren“ des Inzuchtkoeffizienten durch Vorab-Prüfung einer geplanten Verpaarung bezüglich COI und AVK
„die noch verbliebene Variabilität gilt es unbedingt zu bewahren und möglichst zu verbessern“ (Zitat aus: WACHTEL, Hundezucht 2000, S.244) und „Dozent I. Stur empfiehlt potentiellen Hundekäufern, auf den Inzuchtgrad der Welpen zu achten (Zitat aus Wuff 7/8/96 in WACHTEL, Hundezucht 2000, S.254)

Selektion – nicht ausschließlich auf Exterieurmerkmale 
(WACHTEL, Hundezucht 2000, S.177)

Rotationszucht (WACHTEL, Hundezucht 2000, S.178) und anfänglich zur Zucht nur solche Tiere heranziehen, die in drei Generationen keine gemeinsamen Ahnen haben, gleichzeitig Limits für die Wurfzahl von Rüden – R.G. Beilharz – Univ. Melbourne, zitiert in ((WACHTEL, Hundezucht 2000, S.178)

Last but not least – hot stuff, hot topic – Verwendung von Gefriersperma.
“Konservierung” von Hunderassen durch Keimbanken" (Zitate aus: WACHTEL, Hundezucht 2000, S.192)


Zitat: „Durch tiefgefrorenes Sperma und Embryonen einer Rasse (Keim- oder Genbanken( könnte allerdings für künftige ‚Generationen eine genetische „Konserve“ mittels dieser modernen Technologie bewahrt werden, etwas, was wir morgen dringend brauchen werden.

So wie es jetzt aussieht, ist ja jede heutige Hundegeneration gesündere als die nächste aber kränker als die vorhergehende……..“

Und (WACHTEL, Hundezucht 2000, S. 57) „….Rüden oder deren Samen aus Gebieten importieren, deren Zucht bereits länger verselbständigt und damit blutsfremder geworden ist“

Wenn z.B. Sperma von Rüden, die ohne extreme Anstrengungen und ohne größere Gesundheitsdefizite ein relativ hohes Alter erreichten und zudem nicht übermäßig in der Zucht eingesetzt wurden aber bei den wenigen Einsätzen mit verschiedenen Hündinnen guten Nachwuchs erbrachten, wenn das zur Verfügung steht, sollte man das nutzen.

Desgleichen sollte man verstärkt auf ältere Deckrüden, die nicht übermäßig viel produziert haben und die wiederum überwiegend guten Nachwuchs mit verschiedenen Hündinnen erbrachten, zurückgreifen – und wenn hier ein vitaler
8- 9 – oder gar 10jähriger Rüde vielleicht nicht mehr zu dem sogen. „Natursprung“ in der Lage ist aber insgesamt ein vitaler
Vertreter seiner Rasse, dann sollte man sich die Errungenschaft der Technik zunutze machen und die Hilfe eines Reproduktionsspezialisten in Anspruch nehmen.

Desgleichen sollten auch Deckrüdenhalter, die ihren Rüden nicht übermäßig einsetzen, evtl. daran denken, von ihrem gesunden und vitalen Vertreter der Rasse Sperma konservieren zu lassen – für die Zukunft. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um einen Hund handelt, der viele Gesundheitstest bestanden hat aber vielleicht nicht dem „Zeitgeschmack“ entspricht (zu dünn, keine Titel, zu dunkel, zu hell, Fell zu kurz).

 

Allerletzte Notmaßnahme zur Rettung einer Rasse wäre das „Einkreuzen einer anderen ähnlichen Rasse“.

Es wurden in der Geschichte des Leonbergers auch solche Einkreuzungen vorgenommen; die meisten sind schriftlich dokumentiert, einiges ist „hearsay“ (Hörensagen).

(WACHTEL, Hundezucht 2000, S.214 ff und andere Autoren)
„….wurde ein Neufundländer in der Schweiz mit einer Berner Sennenhündin erfolgreich gekreuzt, in der dritten Generation wurde ein Nachkomme schon Weltsieger der Berner Sennenhunde“!

„weiters zitiert H. Spengler (1994) die Einkreuzung einer Neufundländerin mit einem Leonberger, zwei der Enkelinnen wurden Stammeltern der holländischen Zucht …
Es gab noch andere Einkreuzungen in den Leonberger….ferner die Einkreuzung von Neufundländern und eines Kuvasz in den Landseer………………….“

Ein beliebtes Ratespiel (nicht nur von mir) ist auch „was steckt alles im Leonberger drin“ – die oben erwähnte Einkreuzung Neufundländer ist gesichert und wird auch in Leonberger Publikationen (und dem Zuchtbuch) erwähnt; anderes möchte ich  hier nicht erwähnen, da es hierfür nur „mündliche Quellen“ gibt – es ist ja auch egal.

Diese Einkreuzungen haben dem Leonberger sicherlich nicht geschadet aber zur Erhaltung der noch verbliebenen genetischen Vielfalt sollten doch zuerst die anderen erwähnten (Sofort-) Maßnahmen durchgeführt werden, denn eine Einkreuzung einer anderen Rasse erfordert ein gezieltes Zusammenarbeiten aller Rassehunde-Clubs, aller Kennelclubs plus ggf. Anträge bei der FCI und vieles andere mehr.


Nachdem ich nun so viel über den COI und die genetische Vielfalt erzählt habe, möchte ich auch noch einige Tabellen mit Zahlen auflisten, damit alles etwas besser „sichtbar“ und verständlich wird.

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Tabelle – IK und AVK – tatsächliche Anzahl unverwandter Ahnen, Gegenüberstellung der maximal möglichen unverwandten Ahnen

Hund    
H – Hündin
R - Rüde

Gen.     

COI / IK               

AVK – loss of anc.

Unique ancestors

Total No. of possible ancestors

1 - H

 

5

0.0975 %

AVK=98.3871%

 

62

62

 

10

8.166 %

AVK=26.0508%

532

 

2046

 

15

25.1176 %

AVK=6.21204%

752

65534

2 - H

5

0.6347

AVK=98.3871%

61

62

 

10

8.205 %

AVK=20.6256%

422

 

 

15

22.802 %

AVK=4.96078%

595

 

3 - H

5

0.195 %

AVK=96.7742%

60

62

Nachkomme von
2 – H  und 6 - R

10

4.718 %

 

520

 

 

15

19.807 %

 

733

 


 

Tabelle – IK und AVK – tatsächliche Anzahl unverwandter Ahnen, Gegenüberstellung der maximal möglichen unverwandten Ahnen

4 - R

5

0 %

AVK=100%

62

62

Nachkomme von
 1 H und 5 R

10

6.296 %

 

605

 

 

15

22.221 %

 

846

 

 

 

 

 

 

 

5 - R (Partner 1 H)

5

1.2329 %

AVK=96.7742%

 

60

62

 

10

12.9498 %

 

360

 

 

15

24.8877 %

 

514

 

 

 

 

 

 

 

6 - R (Partner 2 H)

5

2.1972 %

AVK=90.3226%

56

62

 

10

10.1387 %

 

391

 

 

15

24.1397 %

 

584

 

 

 

 

 

 

 

7 – R * 2001

5

13.1592 %

AVK=61.2903%

38

62

8 – R * 1997

5

17.7734 %

AVK=51.6129%

32

62

9 – H * 1988

5

14.1602 %

AVK=69.3548%

43

62

Die Leonberger 7 – 9 wurden beliebig aus den 112.000 Datensätzen der Datenbank ausgewählt!
Es handelt sich um „real existierende Hunde“, die sich auch fortgepflanzt haben. Es wurde hier jeweils nur der IK/COI in Gen. 5
dargestellt, da sich die logische Folgerung ergibt, dass in Gen. 10 oder 15 ja nur noch höhere IK-Werte ausgewiesen werden.

Bei den von 1 – 6 gelisteten Leonbergern handelt es sich ebenfalls um „real existierende, wovon  sich 4 fortgepflanzt haben“;
es ging darum, aufzuzeigen, dass es möglich ist, für Nachkommen einen etwas geringeren COI zu erreichen
= also ein Ansteigen zu verhindern = COI „einfrieren“.

 

Die Anzahl der Leonberger Zuchttiere in Deutschland (VDH-FCI) beträgt 326 Leonberger; davon 113 Rüden und 213 Hündinnen. Die Rüden werden leider nicht alle gleichmäßig eingesetzt; auch sind die Rüden wie Hündinnen teilweise miteinander verwandt, also z.B. Brüder, Halbbrüder, Schwestern, Halbschwester bzw. Söhne und Töchter sind gleichzeitig in der Zucht.

Von den Rüden werden – dies ist eine Schätzung! – etwa 40 % des Öfteren eingesetzt und von diesen 40 % wohl wiederum etwa die Hälfte sehr oft.

Es wird auch vermehrt auf „Auslandsrüden“ zurückgegriffen, was als positiv anzusehen ist, so nicht z.B. ein ausländischer Rüde eine Hündin, die aus dem Zuchtpool desselben Landes stammt, deckt, denn hier ist dann die Wahrscheinlichkeit stärkerer Verwandtschaft doch recht hoch.

Die effektive Populationsgröße ist sehr gering – die Berechnungsformel ist über Wikipedia – auch in deutscher Sprache – zu finden. Maximal 4 x die Anzahl der Rüden x Anzahl der Hündinnen – geteilt durch die Gesamtzahl der Zuchttiere!

(The „effective size of population“ http://en.wikipedia.org/wiki/Effective_population_size

is counted by a formula 4 x available males x available females – parted thru the amount of all reproductors 
(this would mean for the German population 4 x 113 x 213 ./. 326) – and this amount is very low !)

 

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die Züchter auf die Hilfe der potentiellen Welpenkäufer und späteren Besitzer der Tiere angewiesen sind; diese Art von „Feedback“  ist notwendig zum Wohle des Hundes (falls doch mal etwas „schiefgeht“ trotz aller guten Absichten)

 – Aber all dies sollte in einer Art offenem und fairem Informationsaustausch und ebensolchem Umgang miteinander, geschehen und die erste Sorge sollte immer das Wohl des betroffenen Hundes sein
- und nicht, wie leider heutzutage vielfach üblich, Lügen und Halbwahrheiten, basierend auf Halbwissen oder Vermutungen,
zu verbreiten und / oder Züchter im Internet an den Pranger zu stellen –

Dieser Rückfall ins Mittelalter hilft niemandem und bedeutet keine Verbesserung für niemanden und nichts.

Es sollten die Züchter Unterstützung finden, die versuchen, auf die niedrig-erblichen aber doch so wichtigen Merkmale
wie Vitalität, Langlebigkeit usw. zu selektieren; die Hunde züchten, die einen im Vergleich zum Rassedurchschnitt
geringeren IK aufweisen.


Leider wird dies von Welpenkäufern nicht immer oder nicht ausreichend gewürdigt (oder vielleicht nicht verstanden?) und
wenn ein Züchter
für die Versuche, weitgehend alleine gegen „Windmühlen“ zu kämpfen, dann noch attackiert wird aus dem Lager derjenigen, die eigentlich Unterstützung gewähren sollten, dann ist es nicht verwunderlich, dass sich so wenige Züchter finden, die bereit sind, neuen Zuchtprogrammen eine Chance zu geben und auf Gesundheit, Vitalität, Langlebigkeit und genetische Vielfalt zu selektieren.

 Ich möchte hier abschließen mit einem Zitat aus (WACHTEL, Hundezucht 2000,S. 200)


„eines ist klar: eine absolute Garantie für einen erbdefektfreien
Hund  kann der beste Züchter nicht geben“!

  

 

Literatur:

Dr. F. Krautwurst - Praktische Genetik für Hundezüchter – Kynos-Verlag 2002

Dr.Hellmuth Wachtel – Hundezucht 2000 – Gollwitzer Verlag 1997/98
Ich danke Herr Dr. Wachtel, dass er sich die Zeit nahm, meinen Artikel durchzulesen und zu kommentieren!

Malcolm.B. Willis – Genetik der Hundezucht – Kynos-Verlag 1992

Dr. George A. Padgett – Control of Canine Genetic Diseases – Howell Book House
N.Y. 1998

Eric H.W.Aldington, Friedern Stockmann
– Vom Körperbau des Hundes – 5.Aufl. Kynos-Verlag

http://www.yakzucht.ch/downloads/genetischer_flaschenhals.pdf

 http://www.tg-tierzucht.de/hzucht/publikation/leben_tod_berner.pdf

http://www.vetsuisse.unibe.ch/genetic/content/service/dog/index_eng.html
Universität Bern Cord.Droegemueller@itz.unibe.ch
http://www.vdl.umn.edu/ourservices/canineneuromuscular/home.html

 Strategien zur Bekämpfung von Erbfehlern in der Hundezucht
Reiner Beuing - Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus Liebig Universität Giessen/D

http://www.blendivet.de/PDFs/AI_GI_08.pdf